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     TANZ.MAß.NAME.



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Auszüge

... Voller Wut über die egozentrische Arbeitsgesellschaft treten die drei Performer von "Tanz.Maß.Name." in die Zwischenwände ...
            Kultur Hamburg von Karin Liebe

... Wo wir unsere Körper und der Tanz angekommen sind, demonstrieren mit skurriler Komik Annette Klar und Paula E. Paul in der gnadenlosen "Tanz.Maß.Name.", einer satirischen Reflexion über die Vermarktung von Tänzern und deren desolate Arbeitssituation ...
            tanzjournal 5.05 von Klaus Witzeling

... Das Grotesk-Duo Klar/Paul parodiert mit Biß in der "Tanz.Maß.Name." die gnadenlose Arbeitsmarkt-Situation für Künstler ...
            Hamburger Abendblatt

... die lakonische Gesellschaftskritik des Trios um Paula E. Paul in dem kleinen Stück "Tanz.Maß.Name." zu einem durch Freejazz-Saxophongeschrei verfremdeten Song von Rammstein traf unter manchen Obdachlosen auf zustimmendes Gelächter ...
            Die Welt von Tom R. Schulz


Ausführliche Presseberichte

Glitzerstrip ...
Wie sich Tänzer ohne Arbeit fühlen: Paula E. Paul und Ensemble zeigen in der fabrik "Tanz.Maß.Name"
Porree schoppen gehen und Glitzerkleider tragen. Da kann etwas nicht stimmen. Sie sind von Anfang an verdächtig, die beiden schöngemachten Frauen, die sich ans Mikrofon stellen und unschuldig summen. Man hätte schon ahnen können, das etwas nicht stimmt, wenn man auf die Zeichen geachtet hätte. Darauf, dass sie dem Publikum den Rücken zudrehen, dass sie ihren Arm verkrampft auf den Rücken biegen und Porree aus ihren Papiertüten ragt. Welche Glitzerfrau geht schon Porree kaufen. Als draußen eine Flasche umfällt, ist klar, dass an diesem Donnerstagabend Unerwartetes geschehen wird.
Aber so unerwartet ist es dann gar nicht, was die Tänzerinnen Paula E. Paul, Annette Klar und der Saxophonist und Schauspieler Roger Döring in ihrem Stück "Tanz.Maß.Name", das sich Tanzmaßnahme liest und von Menschen ohne Arbeit und Sinn im Leben handelt, auf die neue Bühne der fabrik bringen. Das Stück ist eine Premiere, die im Auftrag des Hamburger Container-Projekts "Magic Light" entstanden ist und im Kleinformat schon in der Hansestadt und in Berlin gezeigt wurde. Das Trio hat die fantasievoll, mitunter auf hohem Niveau getanzte Geschichte erweitert. Sie soll jetzt noch eindrucksvoller das Seelenleben von Arbeitslosen widerspiegeln, genauer gesagt, das Seelenleben arbeitsloser Tänzer. (Wenn sich das auch nicht besonders von dem anderer Arbeitsloser unterscheiden dürfte.) Schnell sind die Glitzerkleider abgeworfen, stehen die Frauen ganz ohne Glanz in Hose und Shirt da.
So wie man sich das eben im Inneren eines Arbeitslosen so vorstellt, gibt es dann viel im Nichts verpuffende Energie zu sehen, viel grimassierten Frust, schlaffe Traurigkeit, ein Durchhängen an einem von der Decke baumelnden Seil, ein Fallen, Aufstehen, Fallen, Aufstehen. Und das in ausdrucksstarken und ästhetischen Bildern, die sich mit den selten harmonisch, oft schrillen Klängen des Saxophons oder dem Hardrock aus dem Off verbinden. Die Tänzerinnen nehmen die Zuschauer mit ins Ich, und eine Zeit lang funktioniert das auch. Mit Sprache zum Beispiel. Die Kleinere, Annette Klar übernimmt die Rolle der Moderatorin. Dafür war eine Schauspielerin vorgesehen, erklärt sie, die aber wurde wegen mangelnder Auftritte umgeschult, um Ausländer in Deutsch zu unterrichten. Denn die ursprüngliche Lehrerin wurde wegen ihrer permanenten Kopfbedeckung in den Schulgarten versetzt. Die Absurditäten des Arbeitsmarktes in eine absurde Geschichte verpackt. Das hat Witz. Das können aber Literaten besser als Tänzer. Die haben doch sprechende Körper.
Und Paul mit ihrer Tanzgewalt, aber auch Klar, die zurückhaltendere Tänzerin, haben sehr deutlich sprechende Körper. Ein starkes Bild, wie die Größere auf Zehenspitzen ein klapperndes Zittersolo präsentiert, in rasendem Tempo, wie eine ferngesteuerte Maschine, bewegt sie sich auf und ab. Eindrucksvoll als Paul zu schweben scheint, nur mit Fußspitze, Unterarm und Hand in Kontakt zur Erde. Sie hat die Bodenhaftung verloren.
Nur irgendwann im Stück gibt es einen Bruch, bedrängt, überschwemmt der schrille Lärm. Die skurrilen Bewegungen wirken plötzlich aufgesetzt, sinnlos. Es dröhnt, es ist still, es raschelt. Verzweiflung. Von sich selbst verfolgte Tänzer. Schöne Bilder, ja, aber irgendwann ist es genug. Man kann und will ihnen nicht mehr folgen.
Am Schluss steht der Saxophonist mit dem Rücken an der Wand, raucht. Die beiden Frauen lehnen aneinander, liegen wie zusammengefügt. Alleine zu kraftlos, ohne Halt. Drumherum das Chaos, Kleider, Papiertüten, Schuhe. Die Requisiten einer verlorenen Schlacht. Denn auch das erzählt das Stück: Es gibt keinen Ausweg, keine Hoffnung. Da ist eine Stimme von oben gewesen, die Stimme des Rammstein-Sängers. "Ich will dich", schreit sie verzerrt, "Wir wollen, dass ihr uns vertraut". Aber wer ist eigentlich dieses "Wir"? Diese Kraft von außen, die an den Tänzerinnen so erbarmungslos zerrt. Das Trio hält einer Gesellschaft den Spiegel vor, zeigt ihr, wie sich 11,5 Prozent der Zuschauer fühlen könnten. Getanzte Hilflosigkeit. Nichts darüber hinaus.
            PNN 28./29.4.2006 von Marion Hartig

Tanz.Maß.Name ...
Premierenreigen der Fabrik geht mit ansprechenden Seelenbildern weiter
Da hängt eine Tänzerin (Annette Klar) im grünen Pullover an der Wand wie in einem Spinnennetz, als wolle sie raus aus der Zwangslage, aber sie kommt nicht weit, während die andere in Rot (Paula E. Paul) auf der Bühne nach Orientierung tastend tanzt. Beide suchen nach Lösungen, sie laufen mit voll bepackten Tüten auf der Bühne hin und her, sie winden sich, sie werden verrückt durch ihre Situation der Identitätssuche im Chaos neuer Arbeitsmobilität. Mit dem Saxophon produziert derweil Roger Döring Töne der Auflösung, sie verselbständigen sich und machen plötzlich den Musiker überflüssig.Unter anderem geht es in dem neuen Stück der paul/langer productions, das heute Abend in der Fabrik Premiere hat, auch um das Gefühl des Überflüssigseins. Als überflüssig empfinden sich nämlich Arbeitslose, die von der einen zur nächsten sinnlosen Maßnahme geschickt werden und sich dabei immer mehr selbst verlieren. Die Weiterentwicklung eines zwölfminütigen Tanzstückes, das die Gruppe in Hamburg aufführte und darin auch die klaustrophobischen Ängste in Bewegungen umsetzte, thematisiert die Überlastung der Menschen in Zeiten des Selbstmanagements und zunehmender Entfremdung. Sie habe in ihrem Umfeld recherchiert, sagt die in Leipzig geborene und seit 1988 in Potsdam lebende und arbeitende Tänzerin Paula E. Paul. Da ist das "Leben in der Maßnahme" Realität vieler, die sich dadurch, dass sie immer neue Umschulungen in fachfremden Gebieten machen, sinnentleert vorkommen, von außen gesteuert, nicht mehr Herr oder Frau ihres Schicksals.Anschaulich setzten Annette Klar, die bei Mary Wigman studierte, und Paula E. Paul dieses moderne Befinden in Szene, das so gar nichts mit der Souveränität weltumspannender "global players" zu tun hat, sondern mit einer Verlorenheit in der immer chaotischer erscheinenden Welt. Dass dabei auch ab und an gequietscht wird, der soeben eingekaufte Lauch aus der Papiertüte wie ein Säbel quer im Mund getragen wird, oder die Ballettschuhe mit ihren Spitzen kakophonisch auf den Bühnenboden hämmern, dass die beiden, ab und zu Sätze in das Mikro skandierenden Tänzerinnen dann auch schon mal mit dem Rücken zum Publikum und sinnfällig in der Luft hängen, passt zu dieser Thematik ebenso, wie das, freien Radikalen gleiche, Herumstraucheln der Protagonistinnen. Der narrative Rahmen erzählt von einer Tänzerin, die moderieren muss, um eine Schauspielerin zu ersetzen, die als Deutschlehrerin Ausländer unterrichtet, weil die Lehrerin in den Schulgarten versetzt wurde...Die Rollenvielfalt der Moderne wird zu einer Rollenverwirrung, zu einer Erfahrung der Überforderung, die von vielen geteilt wird. Paula E. Paul, Annette Klar und Roger Döring gestalten diese aktuellen Erfahrungen als ästhetisch ansprechendes Seelenbild.
            MAZ 27.4.2006 von Hanne Landbeck

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